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Ein Fest für Zöliakie-Betroffene in Innsbruck – Austausch, Genuss & Gemeinschaft

Aktualisiert: 1. Juni 2023


Am 06.05.2023 fand in Innsbruck die JAHRESTAGUNG UND GENERALVERSAMMLUNG 2023 der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie statt. Das Treffen richtete sich an Menschen, die an Zöliakie leiden und bot informative Vorträge zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit dieser Autoimmunerkrankung.


Als Zöliakie-Betroffene wie mich, die mit dieser Autoimmunerkrankung leben müssen, sind Veranstaltungen wie diese, wichtige Termine. Die Jahrestagung bot zahlreiche informative Vorträge zu verschiedenen Themen, die im Zusammenhang mit Zöliakie stehen.


Die Veranstaltung umfasste eine breite Palette von Themen, von der Medikamenten-Entwicklung bei Zöliakie bis hin zu Tipps zum glutenfreien Backen. Auch der Austausch von Erfahrungen und das Vernetzen mit anderen Betroffenen waren wichtige Bestandteile der Veranstaltung. Lesen Sie weiter, um mehr über meine Erfahrungen und einen Einblick in die Highlights der Tagung zu erhalten.


Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie: Mitglieder profitieren von kostenfreien Ernährungsseminaren

Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie hat derzeit etwa 5.000 Mitglieder und konnte für die diesjährige JAHRESTAGUNG UND GENERALVERSAMMLUNG 2023 insgesamt 530 Anmeldungen verzeichnen. Der Verein bietet seinen Mitgliedern u.a. regelmäßig kostenfreie Ernährungsseminare an, die sich nicht nur an Neu-Zöliakie-Betroffene richten, sondern auch für langjährige Betroffene von großem Nutzen sind. Diese Seminare decken eine breite Palette von Themen ab, von der richtigen Diagnosestellung bis hin zu Küchenhygiene und Essen im Restaurant oder im Urlaub.



Neben den kostenfreien Ernährungsseminaren bietet die Österreichische Arbeitsgemeinschaft auch viele weitere Leistungen für ihre Mitglieder an. Dazu gehören unter anderem, dass jedes neue Mitglied kostenlos ein ca. 650 Seiten umfassendes Zöliakie-Handbuch erhält mit medizinischen und Ernährungs-Informationen, Listen von ca. 10.000 glutenfreien Lebensmitteln, darunter ca. 2.000 glutenfrei zertifizierte Lebensmittel, sowie Auskunft über Bezugsquellen, Urlaub, Gastronomie und Finanzielles. Auf der Website ist die Lebensmitteldatenbank nach Hersteller, Marke, Produktgruppen und glutenfrei zertifizierten Lebensmittel abrufbar. Auch die Gastronomie-Datenbank enthält diverse Suchfunktionen. Die Teilnahme an den Jahrestagungen und der Erhalt der Tagungstasche mit jeweils ca. 10 glutenfrei zertifizierten Produkten sowie einigen Gutscheinen ist ebenfalls für Mitglieder kostenlos. Die viermal im Jahr erscheinende Mitgliederzeitung beinhaltet die Ankündigungen von regionalen Mitgliedertreffen, Koch- und Backkursen sowie Informationen über diverse Neuigkeiten, Gewinnspiele für Kinder und ausprobierte Rezepte.


Zudem setzt sich die Arbeitsgemeinschaft auch auf politischer Ebene für die Belange von Zöliakie-Betroffenen ein und engagiert sich für eine verbesserte Verfügbarkeit von glutenfreien Produkten in Geschäften und Restaurants.


Die Bedeutung der Forschung bei Zöliakie: Fragen und Antworten aus dem Vortrag von Gastroenterologe Schumann


Oberarzt Dr. Michael Schumann, Internist und Gastroenterologe an der Universitätsklinik für Gastroenterologie der Charité Berlin, widmete sich in seinem Vortrag der Medikamenten-Entwicklung bei Zöliakie und beleuchtete dabei unter anderem die historische Bedeutung von Dr. Dicke‘s Forschung sowie die Ziele und Herausforderungen einer glutenfreien Diät.


Im weiteren Verlauf seines Vortrags thematisierte Dr. Michael Schumann die Bedeutung der Forschung bei Zöliakie und stellte dabei fünf wichtige Fragen in den Raum, welche unter anderem die Ursachen, Diagnostik und Therapie der Erkrankung betreffen.


Während der Veranstaltung wurde die Frage aufgeworfen, ob es in Zukunft ein Medikament für Menschen mit Zöliakie geben wird, das ihnen ermöglicht, glutenhaltige Lebensmittel zu sich zu nehmen, ohne negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit zu haben. Dr. Schumann antwortete daraufhin mit einem Lächeln, dass er glaubt, dass es noch etwa 10 Jahre dauern wird, bis ein solches Medikament verfügbar sein wird. Er wies darauf hin, dass vor 20 Jahren bereits ähnliche Schätzungen gemacht wurden, in denen man meinte, dass ein solches Medikament in 5 Jahren verfügbar sein würde.


Die größten Stolpersteine in der glutenfreien Ernährung


Die Diätologin Eva Terler präsentierte in ihrem Vortrag "Die größten Stolpersteine in der glutenfreien Ernährung" verschiedene Aspekte, die bei einer glutenfreien Ernährung beachtet werden sollten.


Terler sprach über glutenfreie Getreide- und Pseudogetreidesorten sowie das internationale Glutenfrei-Symbol, welches eine sichere glutenfreie Lebensmittelproduktion kennzeichnet. Es gibt in Österreich 29 glutenfrei zertifizierte Lebensmittelunternehmen, davon sechs Bäckereien. Weiters erläuterte Terler die Ausnahmen von der Allergenkennzeichnungspflicht lt. EU-Verordnung 1169/2011: Wichtig ist zu wissen, dass trotz glutenhaltiger Ausgangsstoffe wie Weizen oder Gerste die daraus hergestellten Verzuckerungsprodukte wie Dextrose, Maltodextrin etc. kein Gluten enthalten. Leider wird sehr oft trotzdem auf den Lebensmittelverpackungen bei den Bestandteilen von Aromen Weizen oder Gerste deklariert, das zu falschen Informationen führt.


Spurenhinweise


Warnhinweise auf Lebensmittelverpackungen wie "kann Spuren von Gluten enthalten" sollten als rechtliche Absicherung des Herstellers und nicht als tatsächliches Risiko betrachtet werden. Zudem führt die Überdeklaration zu Verunsicherung bei Zöliakie-Betroffenen. Terler betonte, dass diese Warnhinweise wie "kann Spuren enthalten" in der Regel nicht zutreffen, aber wo tatsächlich ein hohes Kontaminationsrisiko stets nachweisbar ist, wie bei den von Natur aus glutenfreien Mehlen, ist in der Regel nie ein Warnhinweis zu finden. Die Kontamination mit glutenhaltigen Mehlen findet vor allem in den Vermahl- und Abfüllanlagen statt.


Küchenhygiene zu Hause und Kontaminationsrisiko bei Geschirr und Küchengeräten


Terler betonte, dass in der Küche keine Kontamination mit glutenhaltigen Lebensmitteln stattfinden kann, wenn die Arbeitsflächen, Kochtöpfe, Pfannen, Backformen, Mixer, Schneidebretter, Geschirr und Besteck sorgfältig und gründlich gereinigt werden. Daher ist es nicht notwendig, neues Geschirr und/oder Küchengeräte zu kaufen. Ausnahme ist eine Getreidemühle, da die komplette Reinigung kaum machbar ist und keinesfalls abwechselnd glutenhaltiges und glutenfreies Getreide gemahlen werden soll. Wie schon Dr. Schumann zuvor wies auch Frau Terler nochmal auf die Studie aus USA hin: es wurde mit dem gleichen Messer zuerst Glutenhaltiges und dann Glutenfreies geschnitten und an den Schneideflächen konnte kein Glutengehalt gemessen werden. Das gleiche Ergebnis war bei einem Toaster, wo zuerst ein glutenhaltiger Toast und dann ein Gutenfreier getoastet wurde: Gluten konnte nicht nachgewiesen werden. Beim Kochen von zuerst glutenhaltigen Nudeln und anschließend glutenfreien Nudeln im selben Wasser konnte eine Kontamination gemessen werden, allerdings nicht mehr, wenn die glutenfreien Nudeln anschließend mit Wasser abgespült wurden.


Möglichkeiten der glutenfreien Ernährung in Senioren- und Pflegeeinrichtungen in Österreich


In dem Beitrag von Dipl.-Ing. Alexandra Koglmann wurde erläutert, dass in Senioren- und Pflegeeinrichtungen in Österreich eine glutenfreie Ernährung möglich ist. Die Diätologen stellen für jeden Heimbewohner eine individuelle Diät und Menüplan zusammen und geben diese an die Köche oder Lieferdienste weiter. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Einrichtung eine eigene Küche hat oder das Essen von außen geliefert wird.


Tipps für erfolgreiches glutenfreies Backen eines Bäcker- und Konditormeisters

In seinem Abschlussvortrag zum Thema glutenfreies Backen erklärte der in Österreich lebende deutsche Bäcker und Konditormeister Oliver Welling (bekannt auf diversen Social-Media-Kanälen und als Autor von Backbüchern), Unterschiede zwischen glutenhaltigem und glutenfreiem Backen.


Beim glutenfreien Backen sollte man unbedingt darauf achten, die Zutaten abzuwiegen und nicht abzumessen, da bereits eine Differenz von 10 Gramm das Ergebnis beeinflussen kann.


Auch beim Kneten des Teigs gibt es Unterschiede: Der glutenfreie Teig sollte nicht zu fest und nicht zu lange und intensiv geknetet werden, da er sonst an Struktur verliert. Ein weiterer Tipp von Welling: Beim glutenfreien Backen sollte man sehr vorsichtig bei der Verwendung eines Handmixers sein, da bereits eine Minute zu viel Mixen das Ergebnis negativ beeinflussen könne.


Wenn du auf der Suche nach einfachen glutenfreien Rezepten bist, empfehle ich dir mein Rezeptbuch 21 glutenfreie und gesunde Rezepte unter 500 kcal.


Gemeinsam stark mit Zöliakie: Mein persönlicher Rückblick


Die Jahrestagung der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie 2023 war ein voller Erfolg. Das glutenfreie großzügige Mittagsbuffet war grandios und es war ein tolles Gefühl, sich keine Gedanken über Gluten machen zu müssen. Der Austausch unter Betroffenen war sehr wertvoll und die großzügige Geschenketasche mit vielen glutenfreien Produktneuheiten war eine tolle Überraschung. Zahlreiche Stände luden zum Probieren ein und es herrschte eine sehr positive Stimmung und ein Gefühl des Zusammengehörens. Insgesamt war es ein unvergessliches Erlebnis, das gezeigt hat, wie wichtig es ist, gemeinsam stark zu sein.


Der Beitrag wurde in gekürzter Version auch bei der DZG Online in der Rubrik "Aktuelles" veröffentlicht.



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